Frank Derie
Als Frank Derie und ich einander 1979 zum ersten mal begegneten, galten unsere Gespräche lange Zeit der Kunstwelt, in besondere der Malerei.
Er interessierte sich nicht nur für Künstler wie Toulouse Lautrec, Rik Wouters, Klimt, Gaugin, Munch, Cezanne, Bonnard und Vuillard, sondern auch die Künstler aus „Die Brücke“ „Nabis“, „Fauvisten“, die Russische avant-garde und die „Ecole de Paris“ mit Picasso, Matisse, Chaim Soutine und Marie Laurencin. Der neue Expressionismus mit Georg Baselitz und Frank Auerbach waren damals auch im Gespräch.
Die Entwicklung seines Stils mit körperlichem Gefühl entsprach auch dehms Gefühl wie bei französischen Malern.
Die Entwicklung seiner Formensprache gründet auf dem Verständnis von Kunst als spiritueller Reinigung, als Methode zur Harmonisierung wertvoller Gefühle auf der suche nach dem, „Ästhetischen Moment“, den Frank definiert als, jener flüchtige Augenblick, so kurz dass er nahezu zeitlos ist.
Frank Derie gehört zu jenen Malern, die aus einer starken Gefühlskraft heraus am Werk sind. Dass er malen will und sonst nichts, erfährt er täglich mit voller Stärke.
Er schwärmt von der Weissen Leinwandfläche, die ihm die Grundierung verschafft und auf der er spontan zu einer Malschicht nach der anderen ansetzt, erzählt von den weiteren schichten, von Arbeiten mit der spachtel, mit dem Finger, und dem Pinsel. Spontan auf jeder Ebene empfindet er seine Malerei. Das Geschaute in ein kalkuliertes System von Farb- und Formstrukturen zu übersetzen, war nicht der Weg des gern lebhaft von Eindruck zu Eindruck eilenden jungen Mahlers.
Die Elemente Farbe und Rhythmus sind für ihn von Anfang an die wichtigsten, und bald entwickeln sich eine Strategien, entwickelt sich das, was Handschrift genannt werden kann. Vordergründig ist viel gestenreiche Technik im Spiel. Wie zur Explosion gebrachte Malpakete verteilen sich Farben auf den Bildern, die immer kräftiger werden.
Wir sehen wie stark er sich einlässt auf bestimmte Erlebnisse, bestimmte Phänomene, für die das gewaltige Gebilde der Figuren und Naturerscheinungen den immer neu auszuschöpfenden Fundus abgibt.
Heitere Entdeckerfreude scheint den Maler zu lenken hinein in immer weitere Abenteuer von kräftigen Farbkompositionen über die volle Bildfläche hin, die Geheimnisse des Zufalls warten auf ihn und belohnen ihn mit dem Geschenk neuer interessanter, gewebeähnlicher Strukturen, aus denen eine höhere Naturwirklichkeit Form gewinnen kann.
Seine Frauenfiguren bewegen sich in farbenfrohen Flecken und Strichen, die sich aber dynamisch zu grossen monumentalen Gesamtformen miteinander verbinden oder vielmehr aus diesen herausgeboren werden. Strahlende Figuren formen sich aus den Farbvisionen und rufen Visionen an konkrete Formen und Erlebtes hervor, steigern es aber mit visionärer Intensität.
Derie verwendet immer wieder neue Grundstrukturen für
seine Werke, die er meist mit Acrylfarbe beginnt und dabei die Farben rinnen und Zufallsgebilde formen lässt, bevor er mit Öl ins detail geht und auf dieser Basis durch viele Lasuren sein Gemälde aufbaut. Er variiert seine Farbkombinationen auch sehr grundsätzlich.
In seinen „Marinen“ gibt es eine relativ monochrome Gestaltung in Blau, mit gelegentlich etwas Rot und Gelb.
In seinen „Stillleben“ tritt dazu eine sehr grosse Vielfalt an Farbkombinationen mit rotem Hintergrund.
Seine Frauenfiguren werden in leuchtendem Rot oder Gelb als Hauptfarbe ausgeführt.
Mit der Farbe verändert sich auch die Form. Kontraste können kraftvoller oder sanfter sein.
Aus jeder dieser Veränderungen ergibt sich dann ein völlig neuer Ausdruck, der beinahe oft gegenständlich sein kann. Im laufe der Arbeit verändert sich das Bild immer mehr in Richtung konkreter Figürlichkeit, zu einer bestimmten Gestalt, so dass es immer mehr Details erkennen lässt. Manche Bilder freilich wirken wie Landschaften in Urzeiten. Man denkt an eine noch vulkanisch durchglühte Erde mit fliesenden Magma, das sich dabei aber fast blütenhaft darstellt, als wäre es voll leben. Die festen Strukturen der Landschaftsbilder lösen sich aus dynamischen horizontalen Schichten lebhafter Farben, ähnlich geologischen Schichtungen. Eine imaginäre Landschafft ist geboren.
Der Künstler lebt an einem Ort, der im Kunstgeschehen eine bestimmte Rolle gespielt hat, wobei er einen erfolgreichen Kreis von Menschen hat, die ihn in seiner Arbeit unterstützen.
Besonders wichtig aber ist, dass Derie ständig in seiner Kunst lebt und an ihr arbeitet, sodass es trotz Abtrennung von Strömungen der Zeit wertvoll und innerlich zeitgemäss ist. Ohne tiefe und intensive und kontinuierliche Auseinandersetzung mit künstlerischen Phänomenen ist das nicht möglich. Was man auf diese Weise erlebt, nennt man eine Entdeckung.
Die erste Ausstellung realisierte Frank Derie 1979 in der Galerie „Kunst Forum“ in Schelderode (Flandern), und seine Bilder wurden zum ersten mal konfrontiert mit Malern aus der „Cobra-Gruppe“, sowie Karel Appel, Lucebert und Kees Van Bohemen. Diese Ausstellung enthielt Zeichnungen, Porträts, Stillleben und Landschaften.
Seit 1981 ist Frank Derie regelmässig gast in der Galerie Beukenhof. In dieser 25 Jährigen Zusammenarbeit hat Frank etwa 17 mal ausgestellt und weckte durch jede Ausstellung das besondere Interesse von Kunstsammlern. Er stellt auch regelmässig in Frankreich, den Niederlanden und Deutschland aus.



